Alkohol

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Alkohol: Wieviel ist (un)gesund?
 
Paracelsus sagte schon ca 1537: “Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift, allein die Dosis macht‘s, dass ein Ding kein Gift ist.“ Diese Aussage hat noch heute Gültigkeit und triff auch auf den Alkohol zu. Mit Mass konsumiert führt dieses Genussmittel zu keinen gesundheitlichen Schäden. Es gibt mehrere Untersuchungen, welche belegen, dass ein Glas Rotwein pro Tag (2 dl) sogar gesund ist. Es konnte gezeigt werden, dass damit ab dem 50. Lebensjahr die Arterien weniger verkalken und Herz- und Hirnschläge seltener auftreten, vor allem im Rahmen von mediterraner Kost mit viel Fisch, Olivenöl, Obst und Gemüse. Aber schon mehr als 2 dl kann den günstigen Effekt ins Gegenteil umkehren und zu gesundheitlichen Schäden führen. Der positive Effekt wurde mit andern alkoholischen Getränken wie Bier und Schnäpsen nicht nachgewiesen, da gewisse Substanzen (Phenole) im Wein dafür mitverantwortlich sind.
Leider können oder wollen längst nicht alle Leute massvoll trinken und durch Alkoholmissbrauch entstehen immense Schäden: Man rechnet in der Schweiz mit 300’000 Alkoholabhängigen, welche wegen ihrer Krankheit 800’000 Arztbesuche und 500’000 Spitaltage verursachen. Dies ergibt zusammen mit den 28’500 durch vorzeitige Todesfälle bedingten verlorenen produktiven Jahren 2,2 Mrd. Franken Kosten. Noch grösser sind die immateriellen Kosten: darunter versteht man den Verlust an Lebensqualität durch körperliches und seelisches Leid der Alkoholkranken und ihrer Angehörigen. Diese Kosten wurden auf 4,3 Mrd. Franken berechnet! Im Jahre 1998 starben in der Schweiz alkoholbedingt 2100 Personen durch Krankheiten, Verkehrsunfälle, Gewalt und Selbstmord, das sind fast 6 Personen pro Tag. 
Man unterscheidet zwischen körperlichen, psychischen und sozialen Alkoholschäden. Körperlich sind die Leberschäden (Fettleber, Schrumpfleber, Krebs) am häufigsten und bekanntesten, aber auch das Hirn (Abbau), das Nervensystem (Schädigung von Nervenfasern), das Herz (Vergrösserung und Schwäche), die Gefässe (Bluthochdruck und Schlaganfall), Speiseröhre und Magen (Entzündung und Krebs), sowie die Bauchspeicheldrüse (Zuckerkrankheit, Entzündung und Krebs) leiden unter dem Alkoholmissbrauch. Weitere Folgen sind Übergewicht oder Mangelernährung, sexuelle Störungen und bei Schwangeren tragische Schädigungen des ungeborenen Kindes. Im Blut können 
Veränderungen festgestellt werden, welche typisch für Alkoholüberkonsum sind: so steigt die Grösse der roten Blutkörperchen an, die Leberenzyme sind in charakteristischer Weise erhöht und das Enzym CDT steigt an. Psychisch können Depression und Angst, Schlafstörungen, Persönlichkeitsveränderungen und Spielsucht auftreten. Zur Selbst“behandlung“ dieser psychischen Störungen trinken viele wiederum Alkohol und verstärken ihre Probleme damit laufend. Die sozialen Folgen des Alkoholmissbrauchs sind familiäre Probleme, verminderte Leistung am Arbeitsplatz bis zur Kündigung, damit Zunahme der Schulden und eventuell Übergang zur Kriminalität. Durch Alkohol bedingte Verkehrsunfälle führen viel zu oft zu unnötigen schweren Verletzungen und zu Todesfällen. 
Alkoholabhängigkeit wird heute als Krankheit betrachtet. Als Ursachen gelten genetische Einflüsse, der soziokulturelle Hintergrund sowie das familiäre und berufliche Umfeld. 
Eine Behandlung dieser Krankheit ist durchaus möglich, je früher, umso besser und leichter. Absolute Voraussetzung ist die Einsicht des Betroffenen in sein Problem. Der Übergang vom „normalen“ zum Überkonsum ist schleichend und wird oft lange nicht eingesehen oder erkannt. Es ist typisch, dass alkoholkranke Leute den Gang zum Arzt meiden, um nicht auf das Problem angesprochen zu werden oder bei entsprechenden Fragen den Überkonsum leugnen oder bagatellisieren. Sie lassen sich häufig durch den Ehepartner decken oder entschuldigen. Dadurch entsteht auch für den Partner eine schwierige Situation, da man sich selber und gegenüber von Verwandten und Bekannten den Alkoholmissbrauch nur ungern eingesteht. Sobald man täglich mehr als 2-3 Einheiten Alkohol trinkt und Mühe hat, mehrere Tage pro Woche ohne Alkohol auszukommen, sollte die Alarmglocke läuten. Die Behandlung besteht in Gesprächen (beim Hausarzt, Psychologen/Psychiater, Selbsthilfegruppe u.a.) und der Einnahme von Medikamenten (Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Antabus u.a.). Eine ambulante Behandlung ist durchaus möglich, oft ist aber eine stationäre Behandlung mindestens beim Einstieg in den Ausstieg nötig. Bei fortgeschrittener Krankheit mit Verlust des Arbeitsplatzes und der Familie sind nicht selten monatelange stationäre Behandlungen nötig. Erfahrungsgemäss hat der Arbeitgeber oft grösseren Einfluss auf Betroffene als Angehörige und diese sind deswegen aufgerufen, bei Nachlassen der Leistung Alkoholabhängige frühzeitig zu einer Behandlung zu motivieren.