Depressionen

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Depression, häufig verkannt
 
Depression ist eine häufige Erkrankung, bis zu 50% aller Menschen erleiden mindestens einmal im Leben diese Krankheit, 3% der Weltbevölkerung leidet ständig daran. Trotzdem machen wir die Erfahrung, dass diese Krankheit häufig nur oberflächlich bekannt ist. Viele erstmals Betroffene haben grosse Mühe, sie zu akzeptieren und begreifen nicht, dass ihnen das „passieren“ kann.
Depression ist keine Geisteskrankheit, sie schränkt aber die geistige Leistungsfähigkeit vorübergehend ein. Psyche und Körper sind betroffen und folgende Beschwerden sind möglich: Seelisch: Traurigkeit, Freudlosigkeit, Angst, Innere Leere, Weinerlichkeit, Interesselosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Nervosität, Nieder-geschlagenheit, Morgentief, Selbstvorwürfe, Schuldgefühle u.a. Psychomotorisch: Getriebenheit, äussere Unruhe, Müdigkeit, körperliche Blockierung u.a. Körperlich: Schlaf- und Appetitstörungen, Druck auf Brust, Herz- und Bauchbeschwerden, Kopfschmerzen, Rückenweh, Libidoverlust, Hitzewallungen u.a. Nie hat ein Betroffener alle Symptome, meist mehrere davon, schwierig wird die Diagnose bei nur einem einzigen Symptom, was durchaus möglich ist.
Was sind die Ursachen dieser Krankheit? Es ist möglich, dass organische Störungen zu einer Depression führen wie Fehlsteuerungen des Hormonhaushaltes (z.B.Schilddrüse), Medikamente (z.B.Pille), Krankheiten (z.B. Parkinson, Zuckerkrankheit) oder Gehirnveränderungen (z.B. Schlaganfall und Entzündung). Dann gibt es die reaktiv ausgelösten Depressionen wie der Verlust eines lieben Mitmenschen, finanzielle Sorgen, ein Unfallereignis, überforderung am Arbeitsplatz oder in der Schule usw. Hier muss die Depression von der normalen und verständlichen Trauer oder normalem Stress abgegrenzt werden.
Viel häufiger als organisch oder reaktiv ist die endogene Form, also eine Form die anlagebedingt ohne äussere Einflüsse einfach von innen heraus auftritt. Diese Form ist für Betroffene am schwierigsten zu verstehen, möchte man doch einen Grund haben für seine Krankheit, damit man daran „arbeiten“ kann. 
Viele stellen sich vor, zu einer Depression gehören ein starkes Traurigsein und eventuell Selbstmordgedanken. Diese schwere Form ist zum Glück eher die Ausnahme, viel häufiger sind milde Formen mit wenig Symptomen, welche oft die Diagnose schwierig machen. Man spricht dann von larvierter Depression, sie versteckt sich hinter gewissen Symptomen und ist für den Patienten und auch den Arzt schwer erkennbar.
Die Behandlung der Depression erfolgt vor allem durch Gespräche und Medikamente. Ganz wichtig ist vorerst, dem Betroffenen die Krankheit zu erklären, ihm Zuversicht zu geben, dass es bessern wird. Dann ist es wichtig, sich Gedanken zu machen, was als Auslöser in Frage kommt und ob Probleme vorhanden sind. Vor allem aber eines, Verständnis für die Krankheit zeigen. Bei leichten Formen kann dies genügen. Oft sind aber Medikamente nötig, allen voran die sogenannten Antidepressiva. Dies sind sehr dankbare und wirkungsvolle Mittel ohne Gefahr der Gewöhnung oder Abhängigkeit. Nachteilig ist, dass sie oft zwar harmlose, aber z.T. unangenehme Nebenwirkungen verursachen. Sie wirken erst nach 1-3 Wochen. Wichtig ist, dass sie genügend lang und in genügend hoher Dosis eingenommen werden. Das für den Patienten ideale Medikament muss nicht so selten durch Probieren gefunden werden. Es gibt leider keine Kriterien, um zum Voraus das für den Patienten optimale Mittel zu eruieren. Nur zu Beginn werden Beruhigungs- und Schlafmittel eingesetzt. Diese wirken zwar schnell und gut, meist mit wenig Nebenwirkungen, aber haben den Nachteil des Gewöhnens oder gar der Abhängigkeit bei längerer Einnahme. Weitere Therapiemöglichkeiten sind Alternativmedizin, Mal- und Musiktherapie, diverse Formen der Psychotherapie, abgeraten wird bei tiefer Depression hingegen von autogenem Training. Beliebt und wertvoll sind auch Selbsthilfegruppen.
Eine wichtige Funktion haben die Angehörigen, welche vor allem bei schwereren Formen immer in die Behandlung miteinbezogen werden sollen. Wenn möglich sollen Depressive von der Arbeit entlastet werden, denn schon einfache Sachen wie Einkaufen und Kochen können Probleme bereiten. Man soll vermeiden, gute Ratschläge zu geben, denn die verstärken nur das schlechte Gewissen. Die Betroffenen wissen nämlich genau, was sie machen sollten, können dies aber nicht. So lautet denn auch der Titel eines empfehlenswerten Buches von Frau Prof. Woggon treffend: Ich kann nicht wollen. Angehörige sollen also versuchen, Depressive zu verstehen, Geduld zu haben und Entscheidungen abzunehmen oder fernzuhalten. 
Wenn Sie mehr über diese Krankheit erfahren möchten haben wir in der Praxis Informationsmaterial bereit.