Eisenstoffwechsel

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Eisenstoffwechsel
 
Zuwenig
Eisen ist ein wichtiger Mineralstoff in unserem Körper und Eisenmangel ist sowohl häufig als auch gut bekannt. So haben wir im vergangenen Jahr ca 110 Patienten mit Eisenmangel behandelt, in der Mehrzahl Frauen. Ein 70 kg schwerer Mensch verfügt über etwa 4 g Eisen, wobei 2/3 im Blutfarbstoff Hämoglobin enthalten sind und 1 g in der Leber gespeichert wird.
Ursachen:   Grundsätzlich entsteht ein Eisenmangel, wenn zuwenig Eisen zugeführt, zuviel verbraucht wird oder verloren geht. Es können auch mehrere Faktoren zusammen auftreten. Eisen wird am besten in Form des Häm-Eisens aufgenommen, das im Fleisch vorkommt. Eisen aus pflanzlichen Nährstoffen wird bis zu dreimal schlechter resorbiert. Vitamin C und Fleisch verbessern die Aufnahme des Eisens, wir können aber kaum mehr als 35% des eingenommenen Eisens verwerten. Kalzium reduziert die Aufnahme von Eisen. Vegetarier sind somit deutlich anfälliger für einen Eisenmangel. Eisen wird vermehrt verbraucht bei intensivem Sport und geht verloren bei Blutungen (u.a. durch die monatliche Menstruation). Ein Mehrbedarf besteht bei schwangeren Frauen und Kindern in Phasen starken Wachstums.
Symptome:    Eisenmangel kann, muss aber nicht zu Blutarmut führen. Häufige Symptome sind Müdigkeit und Haarausfall, ferner können Schwäche, Schwindel, Energielosigkeit, Herzklopfen, Appetitlosigkeit, übelkeit und andere unspezifische Symptome auftreten. Bei chronischem Mangel können auch brüchige Nägel, Mundwinkelrhagaden, Zungenbrennen u.a. entstehen. Das Auftreten der Beschwerden ist individuell sehr unterschiedlich, so gibt es Patienten mit ausgeprägtem Mangel und nur leichten Beschwerden und solche mit nur geringem Mangel aber bereits störenden Beschwerden.
Diagnostik:   Bei Symptomen von Eisenmangel wird die Menge des Blutfarbstoffes Hämoglobin gemessen. Der sollte bei Frauen mindestens 12, bei Männern 13 g/dl betragen. Hinweise auf einen Mangel gibt auch die Grösse der roten Blutkörperchen, das sogenannte MCV, das mindestens 80 betragen sollte. Der beste Wert, einen Eisen-Mangel festzustellen, ist das Ferritin. Dieser Wert gibt über die Eisenreserven des Körpers Auskunft. Er sollte mindestens 23 betragen, zunehmend ist man aber der Meinung, dass bei typischen Beschwerden schon unter einem Wert von 50 eine Behandlung gemacht werden sollte. In unklaren Situationen sind weitere Laborparameter verfügbar.
Behandlung:   Meist ist es nicht möglich, durch Ernährungsanpassung einen Eisenmangel auszugleichen. Bei leichtem Mangel und geringen Beschwerden kann man Tabletten, Sirup oder Tropfen einnehmen, wobei meist eine mehrere Monate dauernde Behandlung nötig ist, um auch die Speicher wieder zu füllen. Falls das Eisen ungenügend aufgenommen wird oder störende Bauchbeschwerden entstehen, kann es über die Vene mit einer Spritze oder Infusion verabreicht werden. Wir setzen heute meist Ferinject ein, das gut verträglich ist und in grösserer Menge verabreicht werden kann. So sind meist nicht mehr als 3 Konsultationen nötig. Dieses Präparat ist aktuell bei Kindern nicht zugelassen. Diese behandeln wir mit Venover, das langsam in Form einer Infusion gegeben werden muss und je nach Mangel 5-7 Konsultationen erfordert.Zuviel
Bei der Hämochromatose besteht im Körper nicht ein Mangel, sondern ein überschuss an Eisen. Dieser kommt zustande, weil im Darm wegen eines genetischen Defektes viel mehr Eisen aufgenommen wird als die üblicherweise maximal 35%. Das überschüssige Eisen wird in verschiedenen Organen des Körpers abgelagert und führt zu Schäden. Betroffen sind besonders das Herz, die Leber, die Bauchspeicheldrüse und die Hypophyse. Unter anderem können folgende Krankheiten entstehen: Herzmuskelschwäche und Rhythmusstörungen, Leberzirrhose und Leberkrebs, Zuckerkrankheit und verschiedene hormonelle Störungen. Durch Ablagerung in der Haut kann diese dunkler werden, durch Ablagerung in den Gelenken können Gelenkschmerzen entstehen.
Bei Verdacht auf eine Hämochromatose wird primär das Ferritin bestimmt, welches stark erhöht ist. Weitere Laboruntersuchungen können die Diagnose bestätigen oder ausschliessen. In unklaren Situationen wird aus der Leber eine Gewebsprobe entnommen und unter dem Mikroskop untersucht. Die Behandlung besteht in Aderlässen, welche regelmässig und oft lebenslang gemacht werden müssen.