Heuschnupfen 2

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Heuschnupfen. Und nächstes Jahr?
 
Die Sommerzeit und damit die für einige Menschen sehr unangenehme Zeit des Heuschnupfens geht zu Ende. Je nach den durchgemachten Beschwerden werden sich einige Heuschnupfen-Patienten fragen, wie es das nächste Jahr weitergehen soll.
Um eine gezielte Abklärung und Beratung durchführen zu können, ist nun die Zeit gekommen, Ihre Beschwerden zu besprechen. Leiden Sie mehr an lästigem Augenbrennen oder an triefender Nase? Sind bei Ihnen sogar Atemsymptome vorhanden? Nehmen die Beschwerden von Jahr zu Jahr zu und stören Sie in Ihren alltäglichen Verrichtungen (Müdigkeit, Unlust)? Solche Fragen und auch das Wissen, zu welcher Jahreszeit die Beschwerden auftreten (allenfalls sogar ganzjährig?) müssen geklärt werden. Durch eine gezielte Befragung, unterstützt durch ein von Ihnen geführtes „Tagebuch“, kann Ihnen besser geholfen werden. (Erhältlich bei unseren MPA)
Erst wenn Sie den Auslöser Ihrer Beschwerden kennen, können Sie sich gezielt schützen oder behandeln lassen. Mittels Hauttests (Pricktestung) untersucht man, auf welche Substanzen (Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Nahrungsmittel, Schimmelpilze …) Sie allergisch reagieren. Eine körperliche Untersuchung, oft ein Lungenfunktionstest und ein eventueller Nachweis von spezifischen IgE-Antikörpern im Blut ergänzen die Abklärungen und es kann dann zusammen mit Ihnen ein Behandlungsplan erarbeitet werden. 
Die Behandlung bei leichten Beschwerden beinhaltet eine gezielte medikamentöse Therapie. Diese muss oft als Dauertherapie bis zum Ende der Heuschnupfenzeit eingenommen werden, auch bei Regen. Bei akuten Beschwerden und zur täglichen Vorbeugung eignen sich Antisitaminika (z.B. Zyrtec oder Nachahmer, Xyzal, Claritin u.a.). Auch ein Versuch mit einem Pflanzenmittel auf der Basis von Pestwurz kann sich lohnen (z.B. Pollivita, Tesalin)). Falls Sie hauptsächlich an Nasen- oder Augensymptomen leiden, zeigen antiallergische Tropfen oder Sprays eine gute Wirkung, bei Jucken im Hals sind meist Tabletten notwendig. Bei Nasensymptomen sind vor allem Kortisonsprays sehr wirksam. Die üblichen, abschwellenden Nasentropfen sollten nur für sehr kurze Zeit angewandt werden, wohl lindern sie schnell eine verstopfte Nase, bei längerem Gebrauch schädigen sie aber die Nasenschleimhaut, trocknen sie aus und können sogar abhängig machen.
Bei stärkeren Beschwerden besteht die Therapie aus einer Kombination von Kortison (in Spray- oder Pulverform) und antiallergischen Medikamenten. Bei ausgeprägten Nasensymptomen und besonders bei asthmatischen Beschwerden sind diese Medikamente dringend anzuwenden. Kortisonpräparate wirken nicht so schnell, sie müssen daher regelmässig angewandt werden. Sie hemmen die Entzündung lokal und dringen kaum durch die Schleimhaut in den Körper ein, so dass Nebenwirkungen sehr selten auftreten.
Bei ausgeprägten Symptomen, besonders auch wenn asthmatische Beschwerden vorhanden sind, lohnt sich eine Abklärung, ob eine spezifische Immuntherapie, eine so genannte Desensibilisierung, in Frage kommt. Durch regelmässig verabreichte Spritzen mit langsam ansteigenden Dosen der festgestellten Allergene wird die Empfindlichkeit gegenüber diesen Allergenen herabgesetzt. Damit kann der Verbrauch von Medikamenten oft drastisch verringert werden und der Allgemeinzustand bessert sich deutlich. Bei starkem Heuschnupfen kann damit oft ein Etagenwechsel zu einem allergischen Asthma verhindert werden. Für diese Therapie braucht es aber einige Geduld: Begonnen wird meist im Herbst, anfänglich mit wöchentlichen Spritzen, später monatlich, während mindestens 3 Jahren. Eine halbe Stunde nach der Spritze muss wegen möglicher allergischer Reaktionen in der Praxis verbracht werden.
Neben all den erwähnten Möglichkeiten kann sich auch ein Versuch mit Akupunktur oder Homöopathie lohnen. Zusätzlich sind auch pollenvermindernde Massnahmen wirksam: Haare abends waschen, getragene Kleider nicht im Schlafzimmer aufbewahren, allenfalls bei starker Pollenbelastung Fenster geschlossen halten.
Und zum Schluss noch dies:
Allergien der Atemwege haben in den letzten 50 Jahren dramatisch zugenommen. So stieg die Häufigkeit von Heuschnupfen von unter 5% auf heute 15-20% an. Asthma hat von unter 2% auf heute bis zu 10% zugenommen. Die allgemeine Luftverschmutzung durch die Verbrennung insbesondere von öl und dessen Komponenten kann dies alleine nicht erklären. Zusätzlich haben wahrscheinlich auch die heutigen Lebens- und Wohnformen zu einer Zunahme der häuslichen Allergene geführt, insbesondere der Milben- und Tierhaare. Unser Immunsystem musste früher mit viel mehr Bakterien und anderen Schadstoffen fertig werden. Der so genannte westliche Lebensstil eliminierte diesen natürlichen Schmutz weitgehend. Dadurch ist das Immunsystem für die ihm zugedachte Aufgabe der Infektabwehr quasi unterbeschäftigt. Es kommt zu einer Umprogrammierung Richtung Allergie.