Mundgeruch

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Mundgeruch
 
Unter dem landläufigen Begriff Mundgeruch versteht man einen unangenehmen Ausatmungsgeruch. Medizinisch unterscheidet man zwischen Foetor ex ore, wenn der Entstehungsort in der Mundhöhle oder den unmittelbar angrenzenden Gebieten liegt, und Halitosis, wenn die Ursache in Organen ausserhalb der Mundhöhle liegt. Foetor ex ore kann durch eine Zahnfleischentzündung, Parodontitis, chronische Mandelentzündung oder erstaunlich häufig durch einen Zungenbelag bedingt sein. Seltenere Gründe sind Zysten im Zahnbereich oder Zahnabszesse mit Fistelbildung sowie Geschwüre im Mundbereich. Zahnbeläge (Zahnstein), Rückstände von Nahrungsresten (z.B. zwischen den Zähnen) und schlechte Prothesenhygiene sind weitere Gründe für schlechten Mundgeruch. Der allen wohlbekannte unangenehme Geruch am Morgen beim Aufwachen kommt durch den verminderten Speichelfluss während des Schlafens zustande. Halitosis kann von der Nase (Polypen, chronische Nebenhöhlenentzündung), von den Bronchien und der Lunge, vom Rachen und Kehlkopf und sehr selten (nur 1%!) vom Magen herkommen. Gründe für diese überraschend seltenen Ursachen im Magendarm-Bereich sind chronische Entzündungen, Tumore und andere Ursachen. Bestens kennen wir auch den charakteristischen Geruch nach Genuss von Knoblauch (dauert bis zu 3 Tagen nach dem Essen) und anderen Nahrungsmitteln sowie Alkohol. Bei Stoffwechselstörungen wie Leber- und Nierenversagen, entgleistem Zucker und Hungern (Aceton) entstehen ebenfalls charakteristische Gerüche.
Mundgeruch ist allzu oft ein Tabuthema. Man nimmt ihn selber nur schlecht wahr, weil man daran gewohnt ist, deswegen sind Betroffene auf Hinweise angewiesen. Relativ leicht kann unterschieden werden, ob der Geruch aus der Mundhöhle stammt oder von ausserhalb. Wird der Geruch beim Ausatmen aus dem Mund, nicht aber aus der Nase, festgestellt, sind die Ursachen hauptsächlich im Mundbereich zu suchen. Wenn er nur beim Ausatmen aus der Nase auftritt, stammt er aus der Nase, wenn er aus Mund und Nase wahrgenommen werden kann, muss im Bereich der Lunge, Speiseröhre und Magen oder nach einer Stoffwechselstörung gesucht werden.
Untersuchungen belegen, dass fast 90% der unangenehmen Ausatmungsgerüche aus der Mundhöhle stammen (inklusive Mandeln). Als erstes lohnt sich dann ein Besuch beim Zahnarzt. Falls der Geruch trotz guter Zahnpflege (Zahnbürste, Zahnseide und Interdentalbürste) nicht verschwindet, lohnt sich eine regelmässige Zungenreinigung. Die Zunge ist stark zerklüftet und deswegen können sich darin verschiedenste Mikroorganismen festsetzen, welche stark riechende Stoffwechselprodukte absondern. Die Reinigung erfolgt am bestem mit einem Spatel (bei uns in der Praxis erhältlich). Mit Zinkverbindungen können die Gerüche neutralisiert werden (Candida Powerfresh, Freeze fresh strips), mit Desinfektionsmitteln kann die Keimzahl vermindert werden. Zu starke Mittel wie z.B. Chlorhexidin in Plak out sollten nicht regelmässig gebraucht werden, da die ganze Mundflora zerstört werden kann. Besser eignet sich Triclosan, welches z.B. in Colgate Mundwasser enthalten ist.
Stammt der Geruch nicht aus der Mundhöhle, sind die Abklärungen aufwändiger, neben dem HNO-Arzt braucht es vielleicht auch noch den Lungen- oder Magendarmspezialisten.
Mundgeruch darf kein Tabuthema sein, da dieser meist mit einfachen Mitteln lokalisiert und behandelt werden kann. Kann er nicht eingeordnet werden oder genügen die Mundhygiene-Massnahmen nicht, bleibt nur noch die Maskierung mit Pfefferminze und ähnlichen Stoffen, was jedoch nur kurzfristig, maximal 30 min wirksam ist. 
Diesem Artikel zugrunde liegt ein Vortrag von Prof. Dr. Thomas Imfeld, Zahnärztliches Institut der Universität Zürich, gehalten am Fortbildungskurs der Zürcher Lungenliga im Januar 07 in Davos.