Nieren

You are here:
< Zurück
Nieren: ein kurzer überblick

Lage und Aufbau
Unsere beiden Nieren sind eingebettet zwischen dem hinteren Bauchraum und dem unteren Teil des Brustkorbes sowie der anschliessenden Rückenmuskulatur. Sie sind bohnenförmig und messen circa 12x6x3 cm. Den äusseren Teil bezeichnet man als Rinde, den inneren als Mark, welches ans Nierenbecken grenzt. Der Hilus ist der Ort, wo der Harnleiter, die Blutgefässe und die Nerven in die Niere eintreten. Zum Feinaufbau tragen über 1 Million Nierenkörperchen (bilden Rinde) bei, welche das Blut filtern und den soge-nannten Primärharn in ein feinstes Röhrensystem (bilden Mark) abgeben, welches im Nierenbecken endet. Auf dem Weg dorthin werden via Blutgefässe Wasser, Salze, Säuren/Basen, diverse Stoffwechselprodukte und Giftstoffe ausgetauscht.

Funktionen
Die Funktionen der Nieren sind vielfältig. Sie regulieren den Wasser-, Salz und Säure/Base-Haushalt zuverlässig, scheiden Giftstoffe sowie einen Teil der Medikamente aus. Bei der Blutdrucks-Regulierung haben sie eine wichtige Funktion. Weiter wird in der Niere das Hormon Erythropoietin (Epo) gebildet, das die Bildung der roten Blutkörperchen fördert (wird immer wieder von Sportlern als Doping missbraucht). Durch die Bildung von Calcitriol ist die Niere stark am Vitamin D-Stoffwechsel beteiligt.

Krankheiten
Angeborene: Wir unterscheiden Formanomalien, z. B. Hufeisenniere, Abwei-chungen in der Anzahl (1 oder 3 Nieren) und abnorme Lagen (Beckenniere). Die Störungen können genetisch bedingt sein oder spontan entstehen. Eine der am häufigsten vererbten Krankheiten sind verschiedene Formen von Zystennieren. 
Entzündungen: Am häufigsten und bekanntesten ist die Nierenbeckenentzündung, eine bakteriell bedingte und schmerzhafte Erkrankung. Weniger bekannt und seltener sind die verschiedenen Formen der Glomerulonephritis, bei der die Nierenkörperchen entzündet sind. Die Ursachen dafür sind vielfäl-tig, teilweise noch unbekannt und die Behandlung oft schwierig. 
Durchblutung: Wie andere Gefässe können auch Nierengefässe verkalken. Je schlechter die Niere deswegen durchblutet wird, umso mehr geht Nierengewebe kaputt und die Funktion der Niere verschlechtert sich. Ein akuter Verschluss eines Gefässes führt zum Niereninfarkt, welcher meist harmlos ist und die Niere nur leicht schwächt. 
Krebs: Das Nierenzellcarcinom, ist die häufigste Krebsart der Nieren. Es ist glücklicherweise relativ selten, wird aber häufig erst in einem Spätstadium festgestellt, da es sich symptomarm entwickelt. 
Andere Krankheiten: Das Nierensteinleiden ist eine der schmerzhaftesten Krankheiten und häufig anzutreffen. Je nach Lage des Steins, im Nierenbecken oder im Harnleiter, wird der Schmerz anders lokalisiert. Diese Krankheit gilt teilweise als Zivilisationskrankheit und kann mit gezieltem Essen und Trinken positiv beeinflusst werden. Die Nieren können sekundär durch andere Krankheiten geschädigt werden, z.B. durch den Diabetes. Eine gute Behandlung der Zuckerkrankheit hat unter anderem auch das Ziel, die Niere zu schützen. 
Niereninsuffizienz: Die erwähnten Krankheiten können die Niere schädigen und sie in ihrer Funktion einschränken, was als Niereninsuffizienz bezeichnet wird. Die Endform, der (fast) totale Verlust der Funktion, wird als Urämie oder Nierenkoma bezeichnet. Der Messwert für die Nierenfunktion ist die Clearan-ce (Menge Harn, welcher pro Minute filtriert wird). Normal sind mehr als 90 ml/min. Ab weniger als 30 ml/min spricht man von einer schweren Nierenin-suffizienz.

Untersuchungen 
Ihrer Lage wegen kann die Niere nicht direkt getastet werden. Ein Klopfschmerz in der Lendenregion ist aber ein starker Hinweis für eine Nierenbeckenentzündung. Im Laborwerden Blut (Kreatinin, Harnstoff, Kreatinin-Clearance, Kalium, Natrium, usw) und der Urin untersucht. Mit einem einfa-chen Stäbchentest können innert 1-2 Minuten 10 verschiedene Parameter kontrolliert werden, weiter wird der Urin unter dem Mikroskop beurteilt. Die Nieren lassen sich auf verschiedene Weise bildlich darstellen: die einfachste Methode ist der Ultraschall, welcher einfach und nicht belastend angewendet werden kann und oft genügend Auskunft gibt. Bei Unklarheiten kann ein CT oder MRI gemacht werden. Bei wenigen Fragestellungen kann ein Angiogramm oder Scintigramm nötig werden. Bei unklaren Nierenkrankheiten kann eine Biopsie, also die Entnahme einer Gewebsprobe weitere Klärung bringen. Diese wird in der Regel Ultraschall gesteuert durchgeführt.

Behandlungen
Bei bakteriellen Infektionen der Nieren werden Antibiotica eingesetzt, bei Be-darf auch Schmerzmittel. Nierensteine gehen oft natürlich ab, bis es soweit ist, werden meist starke Schmerzmittel benötigt. Bewegung fördert den Abgang, nicht aber eine Schwemmkur, wie man früher vermutete. Nur noch selten muss heute ein Stein herausoperiert werden. Je nach Lage wird er zertrümmert oder mit der Schlinge herunter geholt. Bei Krebs muss die Niere meistens entfernt werden. Die bekannteste Nierenoperation ist wohl die Transplantation bei Versagen der Nieren. überbrückend, bei fehlender Niere auch längerfristig, wird die Dialyse eingesetzt. Entweder wird in einem Zentrum an der künstlichen Niere 3x/Woche oder zu Hause über den Bauchraum das Blut täglich mit einer speziellen Flüssigkeit gereinigt. Bei Verengung der Nierenarterie kann diese mit einem Katheterballon erweitert werden. Bei belasteter Niere ist es speziell wichtig, den Blutdruck gut zu behandeln, bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz sollte begrenzt Eiweiss konsumiert werden.