Prostata-Erkrankungen

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Prostata-Erkrankungen
 
Die Prostata, zu deutsch Vorsteherdrüse, ist ein männliches Geschlechtsorgan und befindet sich unterhalb der Blase und vor dem Enddarm. Sie umgibt die Harnröhre direkt nach dem Abgang aus der Blase und wiegt im Erwachsenenalter ca 20 g, der Grösse einer Edelkastanie entsprechend. Ab ca 40 Jahren erfolgt ein erneutes Wachstum, individuell bis zur 5-fachen Grösse. Die Prostata produziert den Hauptanteil der Samenflüssigkeit, hat jedoch keinen direkten Einfluss auf den Geschlechtsverkehr, die Libido oder die Erektionen. Die Prostata wird vor allem durch ihre Krankheiten wahrgenommen, die wichtigsten sind das Adenom, die Prostatitis und der Prostata-Krebs. Untersucht wird die Prostata durch Abtasten via Enddarm und Ultraschall. Labormässig wird der Urin, die Nierenfunktion (Kreatinin) und (immer weniger) das PSA analysiert.
Adenom: Dieses ist eine gutartige Vergrösserung der Prostata. Durch das Wachstum nach vorne wird die Harnröhre eingeengt, was zu einer Abschwächung des Harnstrahls führt. Später erfolgt häufigeres Wasserlassen, zunehmend auch nachts. Falls die Prostata stark Richtung Blase wächst, entsteht ein Druck auf die Blase mit entsprechend lästigem Harndrang und häufigem Lösen kleiner Urinmengen. Bei fortgeschrittener Einengung der Harnröhre kann es verschiedene Komplikationen geben: Die Blase kann immer schlechter entleert werden und es entsteht immer mehr Restharn. Dieser erhöht das Risiko für Blaseninfektionen, Harnsteine und akutem Harnverhalten. Eine chronische Stauung kann sich auch negativ auf die Nieren auswirken. Zur Behandlung stehen uns verschiedene Medikamente zur Verfügung: Pflanzliche Präparate, z.B. Sägepalmenextrakt, lindern Beschwerden, haben aber keinen Einfluss auf den Restharn und können auch nie eine Operation verhindern. Alfablocker, z.B. Pradif, helfen die Blase besser zu entleeren und können eine gewisse Zeit gute Dienste leisten. Die 5-alfa-Reduktasehemmer, z.B. Proscar, können die Prostata verkleinern, der Wirkungseintritt erfolgt aber erst nach ca 6 Monaten. Das Mittel muss langfristig eingenommen werden, denn nach Absetzen wächst die Prostata wieder zur ursprünglichen Grösse an. Wenn die Beschwerden zu gross und vor allem die Nächte durch häufiges Wasserlassen beschwerlich werden, hilft nur noch die Operation. Standard ist immer noch die TUR der Prostata, das heisst die transurethrale Resektion der Prostata. Dabei wird ein Teil der Prostata durch die Harnröhre schnitzelweise entfernt und dadurch die Harnröhre befreit. Die Technik der Operation ist so weit verfeinert, dass in guten Händen Nebenwirkungen wie Inkontinenz oder Impotenz nur noch selten auftreten. Eine totale Entfernung der Prostata ist nur selten nötig. Andere Verfahren wie Laser-, Kälte- oder Wärmebehandlung konnten sich bisher nicht durchsetzen. 
Prostatitis d.h. Entzündung der Prostata: Wir unterscheiden zwischen einer akuten und chronischen Form,. Diese sind meist durch Bakterien verursacht und erfordern den Einsatz von Antibiotica. Bei der akuten Entzündung entstehen Fieber und häufig Schüttelfrost, ein Brennen beim Wasserlösen und ein starkes Krankheitsgefühl. Die chronische Entzündung äussert sich durch häufiges Wasserlassen, Unterbauchschmerz, Schmerz beim Orgasmus, Blut im Sperma u.a. 
Prostata-Krebs: Dieser entsteht nur selten vor dem 50. Lebensjahr, ist danach immer häufiger zu finden, jedoch auch zunehmend harmloser. Die Ursache ist heute noch unklar, es besteht aber eine genetische Komponente, haben doch Nachkommen von Erkrankten ein 5-10-fach höheres Risiko. Im frühen Stadium bestehen keine Beschwerden. Erst später, durch Einwachsen in die Kapsel, Nachbarorgane oder durch Ableger, entstehen Schmerzen und weitere Beschwerden. Da Krebs immer auf der Hinterseite der Prostata entsteht, kann dieser in der Frühphase oft mit Abtasten durch den Enddarm erkannt werden. Durch eine Biopsie (Entnahme einer Gewebsprobe durch den Enddarm hindurch) wird die Diagnose gesichert. Je nach Alter des Patienten und dem Resultat der Histologie erfolgen dann weitere Untersuchungen wie Ultraschall, CT, Szintigramm u.a. Die Behandlung erfolgt sehr individuell: operativ durch die totale Entfernung, neu auch durch eine computergesteuerte und somit schonende Technik (Da Vinci-Methode), durch Bestrahlung und/oder medikamentös, hormonell oder mit Cytostatica. Recht häufig ist der Krebs aber, besonders im höheren Alter, so harmlos und langsam wachsend, dass er ohne Behandlung einfach beobachtet werden kann. 
Das PSA ist ein Eiweiss, das die Prostata ins Blut abgibt und dort bestimmt werden kann. Es eignet sich gut zur Beobachtung von Krebs, jedoch zeigt sich immer mehr, dass es zur Diagnose von Krebs weniger geeignet ist als bisher angenommen. Normwerte sind 1-4, zwischen 4 und 10 besteht eine grosse Grauzone: bei diesen Werten werden in ca 30% Krebszellen gefunden, bei 70% keine. Zur Unterscheidung müssen daher sehr viele Männer mittels Biopsie untersucht werden. Selbst wenn ein Krebs entdeckt wird, ist es nicht sicher, dass diese Früherkennung dem Patienten nützt. Untersuchungen zeigen, dass mindestens 1000 Männer untersucht werden müssen, um einen einzigen Todesfall zu verhindern! Davon müssten sich aber 50 Männer einer belastenden Diagnostik und ev. Therapie unterziehen, ohne davon letztlich einen Nutzen zu haben.