Weichteilrheuma

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Weichteilrheuma
 
Weichteilrheuma bezeichnet schmerzhaft entzündliche, degenerative und funktionelle Veränderungen an Muskeln, Sehnen, Knochenhaut, Bändern, Schleimbeuteln, Bindegewebe und Fettgewebe. Weichteilrheuma ist nicht ein einziges Krankheitsbild, sondern ein überbegriff vieler schmerzhafter Zustände, welche am Körper auftreten können. Es gibt lokalisierte und generalisierte Formen, welche chronisch oder akut auftreten können.
Lokalisierte Krankheiten: Die häufigste und bekannteste Form ist die Periarthropathie der Schulter. Es handelt sich hier um Schmerzen im Bereich des Schultergelenkes, welche mit dem Gelenk direkt nichts zu tun haben, sondern die umgebenden Weichteile betreffen. Die Beschwerden können nach überlastung oder Unfall beginnen, sie treten jedoch häufig über Nacht und aus heiterem Himmel auf. Gerade die Tatsche, dass wir ärzte oft keine Ursache für die teilweise sehr starken Schmerzen angeben können, irritiert viele Patienten. Es ist ganz natürlich, dass man gerne eine Erklärung für die Entstehung von Schmerzen hat. Wohl gibt es bekannte Gründe für diese Beschwerden wie Verkalkung und degenerative (abnützungs-bedingte) Veränderungen, welche sogar zu einem Sehnenriss führen können. Im Einzelfall ist diese Diagnose aber nicht immer einfach zu stellen, ein Röntgenbild hilft oft nicht weiter, es braucht ein MRI oder einen arthroskopischen Eingriff. Dies ist jedoch erst nötig, wenn eine Therapie die Beschwerden nicht lindert. Bekannt und berüchtigt ist auch der Tennisellbogen (Epikondylopathie des Ellbogens), dahinter steckt eine Entzündung der Knochenhaut am äusseren Knochen des Ellbogens. Obwohl diese Schmerzen typisch sind für Tennisspieler, sind diese bei Leuten, welche nie Tennis gespielt haben, viel häufiger. Auch hier spielen überlastungen und Unfälle eine Rolle, aber eben so oft treten sie ohne Anlass auf. Die etwas selteneren Schmerzen an der Innenseite des Ellbogens laufen unter dem Namen des Golferellbogens. Ebenfalls ein häufiges Problem sind Beschwerden im Bereich der Achillessehne. Es handelt sich um einen Reizzustand der Achillessehne, der Knochenhaut am Fersenbein und des umgebenden Gewebes. Fälschlicherweise wird hier oft von Sehnenscheidenentzündung gesprochen, eine Sehnenscheide gibt es aber hier nicht. Weitere lokalisierte Schmerzen findet man am Knie, an den Hüften, an den Füssen und am Handgelenk. Die häufigsten Sehnen- und Sehnenscheidenent-zündungen, welche ebenfalls zum Weichteilrheuma gezählt werden, sind im Bereich des Unterarms und des Handgelenkes lokalisiert.
Generalisierte Formen: Die Fibromyalgie ist die häufigste und bekannteste Krankheit. Leute mit diesem Leiden klagen über grossflächige, diffuse und symmetrische Schmerzen am ganzen Körper. Definitionsgemäss findet man an charakteristischen Stellen druckschmerzhafte Punkte an Muskeln und Muskelansätzen. Damit verbunden sind häufig vegetative Symptome wie Schwitzen, Unwohlsein, Kopfschmerzen, Herzklopfen u.a. Typischerweise gehören auch Schlafstörungen dazu. Ob eine depressive Stimmungslage Ursache oder Folge dieser Krankheit ist, muss bei jedem Patienten analysiert werden. Ursächlich vermutet man eine gestörte Schmerzverarbeitung, welche aber nicht näher definiert ist. Diese Krankheit zeichnet sich durch einen mit Therapie schwer beeinflussbaren langen Verlauf aus. Ebenfalls zum generalisierten Weichteilrheuma gehört die Polymyalgie. Hier sind Muskeln, vor allem im Bereich des Schultergürtels und des Beckens, entzündlich verändert und sehr schmerzhaft. Mit einer Kortisontherapie verschwinden diese oft schlagartig und nach 1-3 Jahren Behandlung heilt diese Krankheit zuverlässig ab.
Diagnose: Sie stützt sich beim Weichteilrheuma auf die Befragung und Untersuchung, mit der die jeweils typischen Schmerzpunkte gesucht werden. Es gibt keine typischen Laborbefunde, ebenso sind diese Krankheiten im Röntgenbild nicht sichtbar. Wenn trotzdem solche Untersuchungen durchgeführt werden, dient das zum Ausschluss von andern Krankheiten.
Therapie: Sie ist nicht immer einfach. Das Schmerzmittel Paracetamol (Dafalgan, Panadol u.a.) sollte immer als erstes versucht werden. Es kann zwar nicht heilen, aber eine Schmerzlinderung ist oft wertvoll und es verursacht nur ganz selten Nebenwirkungen. Typisch für Weichteilrheuma ist, dass die sogenannten Rheumamittel (Voltaren, Brufen, Ponstan, Felden u.a.) häufig schlecht wirken. Zudem ist die Gefahr von Nebenwirkungen wesentlich höher als bei Paracetamol. Auch Physiotherapie vermag die Krankheit nicht immer gut zu beeinflussen, hingegen ist eine dosierte Aktivität erwünscht, welche der Patient unter Anleitung von Arzt und Therapeut individuell erarbeiten muss. Schonung ist „Gift“ und verstärkt die Beschwerden oft. Immer häufiger werden Antidepressiva verordnet, welche auch bei fehlender depressiver Symptomatik eine Wirkung zeigen, indem sie die Schmerzschwelle erhöhen. In ganz schweren Fällen werden sogar Betäubungsmittel in kleinen Dosen eingesetzt.
Weitere Informationen finden Sie unter www.rheuma-schweiz.ch